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<note tip> Die Informationen zum Thema sollen hier gesammelt werden. Eure Arbeitsergebnisse sollen nach der Prüfung dann öffentlich zugänglich sein! Wir sollten besprechen, ob diese Präsentation hier nicht auch das Endprodukt für die Prüfung darstellen kann.</note>

Jazz in der DDR

Jazz im Spannungsfeld der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR

Robert Lauva

Teilthema

Jazz im Spannungsfeld der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR - In den 50er und 60er Jahren

Gliederung/Inhalt

1. Einleitung
2. Die Entwicklung des Jazz in den 50er Jahren
3. Ein erster Wendepunkt in der Kulturpolitik der DDR
4. Die Entwicklung des „Free- Jazz“ in den 50er/ 60er Jahren
5. Vorstellung eines DDR- Musikers und eines seiner Werke

1. Einleitung

Wenn von Jazz die Rede ist, sind wir mit unseren Gedanken in erster Linie in den USA, und das durchaus rechtens, da der Jazz ja auch in den Staaten seine „Geburtsstätte“ hat.
Auf Grund seiner Popularität war es nicht verwunderlich, dass schnell auch große Teile Westeuropas mit dem „Jazz- Virus“ infiziert wurden. Was allerdings viele nicht wissen ist, dass der Jazz sogar die Mauern des „Eisernen Vorhangs“ überwand, und schließlich in Ostdeutschland ankam.
In der DDR, in der das persönliche Leben und Handeln stets unter Kontrolle des Staates stand, wurde die neue „imperialistische“ Musikform seitens der kulturpolitischen Spitze mit größter Skepsis und Sanktionen empfangen.
Dieser Kurs wurde allerdings nicht bis zur Auflösung der DDR beibehalten. Im Gegenteil: Nach einem anfänglichen Hin und Her zwischen stiller Akzeptanz und offener Ablehnung wurde der Jazz mit den Jahren sogar von staatlicher Seite gefördert.

Rainer Bratfisch blickt in seinem Werk: „Freie Töne – Die Jazzszene in der DDR“ auf vierzig Jahre Jazzgeschichte zurück:

„Die Position des Jazz schwankte immer zwischen strikter Ablehnung und leiser Anerkennung, mehr oder weniger offener Verfolgung und verschämter Duldung, offener Antipathie und heimlicher Sympathie. […] Trotzdem wurde der Jazz in der DDR nie zum DDR-Jazz. Seine weltweite Reputation insbesondere in den siebziger und achtziger
Jahren erspielte er sich durch die tagtägliche Auseinandersetzung mit einer restriktiven Kulturpolitik, die den Jazz, nachdem Verbote in den fünfziger Jahren nicht griffen, in den sechziger Jahren duldete, um dann in den letzten beiden DDR-Jahrzehnten zu versuchen, ihn zu vereinnahmen. Was nicht zu verbieten war, wurde schließlich staatlich
gefördert – in Verkennung der Tatsache, dass Jazz a priori Protestmusik ist und in seinen besten Beispielen vom Affront gegen jedes Establishment lebt.“

Vielleicht war es die Freiheit, oder der mehr oder weniger ungewollte Protest gegen die bestehenden Umstände, die den Jazz für das DDR- Publikum so schmackhaft machten, aber feststeht, dass es der Jazz in 40 Jahren DDR- Geschichte weit gebracht hat.

Konzerte von DDR- Musikern waren grundsätzlich ausverkauft und überfüllt, und Jazz- Platten verzeichneten überwältigende Verkaufsquoten.
Unter dem Namen „Free- Jazz“ entwickelten ostdeutsche Musiker einen Stil, der nicht länger der des Westens, sondern ein beinahe völlig eigenständiger war und dem westlichen Jazz in Kreativität und Qualität in nichts nachstand.

2. Die Entwicklung des Jazz in den 50er Jahren

Obwohl stets die Integrierung des sowjetischen Gesellschaftsmodells im Vordergrund stand, wurde Musik nach 1945, auch wenn sie aus dem Westen kam, durchaus von den Sowjets toleriert und sogar gefördert. Der SBZ sollte eine entnazifizierte Kulturszene zuteil werden und dafür war man anfangs eben auch zu „unmarxistischen“ Methoden bereit:

„Die Russen waren sehr interessiert daran, dass die Theater und Tanzsäle öffneten, dass Kultur stattfand. Ihnen war es gar nicht so wichtig, was passierte, solange es live passierte. Kurios! Alle Orchester spielten bald amerikanische Sachen wie „Sentimental Journey“ oder „In the mood“ (Rundfunkjournalist Karlheinz Drechsel)

Über das „Radio Berlin Tanzorchester“ fanden bereits im Mai 1945 erste Auftritte mit Musikern aus dem Ausland statt. Jazztitel standen zunächst nicht im Vordergrund, jedoch gewannen sie nach und nach an Popularität.

In den 50er Jahren ändert sich die Einstellung des sozialistischen Regierungsapparates zur freien musikalischen Entfaltung allerdings.
Zunehmend wird von staatlicher Seite in die Musikszene eingegriffen.
Mit dem allmählichen Beginn des Kalten Krieges wird deutlich, dass die Vorstellungen einer „entnazifizierten Musikszene“ von Ost- und Westpolitikern deutlich auseinander gehen.

„Nach der Phase der sogenannten antifaschistisch-demokratischen Umwälzung in den Jahren von 1945 bis 1949 begann mit der Gründung der DDR eine unverhohlene Orientierung auf das sowjetische Vorbild und damit auch auf die stalinistische Kulturpolitik.“(Bert Noglik- Jazzjournalist und Musikkritiker)
Englische Musiktitel werden nun teilweise eingedeutscht und viele Bigbands müssen ihre Titel auf die „neue sozialistische Tanzmusik“ abstimmen.
Diese Entwicklung der Ereignisse stößt bei den betroffenen Musikern auf großen Protest.
Schon im Mai 1950 beispielsweise, ist von der einstigen Besetzung des RBT nur noch ein kleiner Prozentsatz vorhanden, da ein Großteil der im Westen lebenden Musiker ihren Vertrag gekündigt haben.
Im Jahre 1950 erhält der Dresdner Orchesterleiter Heinz Kretzschmar, wessen Tentett den Ruf des führenden „Jazz- Solisten- Orchesters“ inne hat und eine enorme Anhängerschaft besitzt ein Berufsverbot der „besonderen Art“. Das besondere an diesem Verbot ist nämlich, dass seine Begründung nur inszeniert wurde.
Während Kretzschmar im Dezember 1950 auf einem seiner Konzerte auftritt, beginnen vom Staat engagierte „Prügelknaben“ eine Prügelei. Das Berufsverbot wird daraufhin mit folgender Begründung verhängt:
„Kulturfeindliche, die Jugend negativ beeinflussende und die öffentliche Sicherheit und Moral gefährdende Musikausübung.“
Als Folge emigriert nur wenige Zeit Später fast die gesamte Band in die Bundesrepublik.
Dies ist allerdings erst der Anfang. Schon bald streicht das Staatliche Rundfunkkomitee der DDR den Jazz ohne Ausnahme aus den Radioübertragungen. Da dies allerdings auf enormen Widerstand in den Reihen der Jazz- Fans hervorruft, wird ab 1954 wieder Jazz- Musik in den Radioübertragungen zugelassen. Was folgt, ähnelt eher einem Affentheater, als einer „durchdachten“ Kulturpolitik.
1955 werden Jazz- Übertragungen erneut verboten. 1956 aber, wird das Verbot aufgehoben und es werden fortan wieder neun Stunden Jazz pro Woche zugelassen.
Mittlerweile nicht mehr verwunderlich ist aber, dass es im Januar 1957 zu einem erneuten Verbot kommt. Es ist schon beinahe banal das zu erwähnen, aber im nächsten Jahr wird dieses Verbot aufgehoben.
Neben den politischen Gegnern des Jazz, finden sich auch andere „Fachleute“ auf der „anti- amerikanischen“ Seite der Musik ein.
1952 veröffentlicht der Musikwissenschaftler, Musikredakteur und Publizist Reginald Rudorf in „Musik und Gesellschaft“ folgende Zeilen:

„Ähnlich einer vernichtenden Flutwelle überschwemmen heute die Erzeugnisse der amerikanischen Kulturbarbarei den ganzen westlichen Teil unserer Erde. Existentialistisches Theater, nihilistische Literatur, Formalismus in Kunstmusik und Architektur sollen den pervertierten Bedürfnissen und Daseinsangst der herrschenden Klasse ein Ventil schaffen, sollen die Kunstschaffenden von jeder nationalen und volksverbundenen Regung entfernen.

Auf der anderen Seite zersetzen Mord- und Gangsterkult in Film- und Groschenheften, Pornographie, Boogie-Woogie, Damenringkämpfe und Schlammboxen den anständigen Geschmack und jedes wirkliche Verständnis für die echte nationale Kultur unter den breiten Massen der werktätigen Menschen.
Besonders zerstörend ist der Einfluss der amerikanischen Schlagerindustrie, diesem abscheulichen Ausdruck des Kitsch – aber auch formalistischer Eindrücke. In allen von den USA abhängigen und kolonisierten Ländern wird diese
abgeschmackte, so genannte „moderne Tanzmusik“ durch die Filialen der amerikanischen Musikmonopole propagiert.

Swingbands aus Hollywood oder New York fallen wie Heuschreckenschwärme über Westeuropa her und werden dort nachgeahmt; ein dichtes Netz von Hot Clubs, Musikverlagen und Rundfunkstationen tun alles, um diesen musikalischen Abschaum zu verbreiten.
Dabei haben die kosmopolitischen Kulturzerstörer besonderes Augenmerk auf den Westen Deutschlands und Berlins gelegt. Hier feiert der Boogie-Woogie-
Kult wahre Orgien, um die Jugend musikalisch zu verrohen, die Einheit der deutschen Kultur zu spalten und schließlich auch Einfluss auf das Musikschaffen der Deutschen Demokratischen Republik zu finden.“

Später wird Rudorf seine Meinung bezüglich des Jazz allerdings grundlegend ändern, mehr noch, er organisiert sogar geheime, illegale Treffen und kleinere Aufstände, welche gegen das bestehende sozialistische Regime gerichtet sind. Nachdem er 1955 eine Art Bittschrift an den damaligen Kulturminister Johannes R. Becher verfasst, wird er Im März 1957 wird er dann auf den offiziellen Grund von „Boykotthetze, konterrevolutionärer Tätigkeit sowie Beleidigung hoher Funktionäre der SED und der FDJ“ hin, verhaftet und für volle zwei Jahre in ein Zuchthaus gesperrt.

3. Ein erster Wendepunkt in der Kulturpolitik der DDR

Nach Stalins Tod 1956, wird Nikita Chruschtschow der oberste Parteisekretär der KPdSU und leitet somit eine kurze aber entscheidende Periode der Liberalisierung ein. Das einsetzende „Tauwetter“ bringt sehr viele Jazzclubs Jazzarbeitsgemeinschaften, und Jazz- Kneipen hervor. Presse und Rundfunk trauen sich allmählich wieder über Jazzveranstaltungen zu berichten. In Dresden bildet Karlheinz Drechsel die IG Jazz, der weitere IGs in Berlin, Leipzig und Karl- Marx- Stadt .
Im April findet in Berlin-Treptow eine Diskussion zum Thema „Jazz ja
oder nein“ statt, an der u.a. der Komponist Hanns Eisler, der „Junge Welt“-Chefredakteur Manfred Klein und der FDJ-Funktionär Hans Modrow teilnehmen. Alles in allem wird bei dieser Diskussion deutlich, dass alle drei Teilnehmer für den Jazz sind, und seine Zukunft in der DDR durchaus optimistisch sehen:
„Die Zahl der Jugendlichen, die den Jazz lieben, ist groß. Unter diesen gibt es eine große Anzahl Jazz-Fanatiker. […] Da unter der Jugend nun einmal darüber gesprochen wird, müssen wir uns in die Diskussion einschalten. […] müssen wir in kritischer Weise Gutes von Schlechtem trennen, auch im Jazz. […] Hätte ich zu wählen zwischen dem übelsten Jazzschlager und einem unserer miesen Tangos oder gar dem Rennsteiglied: Ich würde den Jazz wählen.“

Einen Monat später wird vom Ministerium für Kultur eine sehr gut besuchte Diskussion zum Thema Jazz in der Deutschen Akademie der Künste in Berlin veranstaltet, an der zahlreiche hochrangige Gäste, wie Komponisten, Direktoren der Musikhochschulen und Offizielle aus dem Ministerium für Kultur vertreten sind.

Die Zeit des „Tauwetters“ ist allerdings um 1956 rum vorbei. Mit der Niederschlagung des Ungarn- Aufstandes setzt Walter Ulbricht wieder auf altbewährtes und zieht die Schlinge um den Jazz wieder zu.

In den folgenden Monaten entdeckt die Parteispitze der SED für sich ein neues Wort, welches fortan in nahezu jeder Veröffentlichung und jedem Kommentar zu finden ist: Dekadenz. Auf der Kulturkonferenz der SED im Oktober 1957 wird verlautet: „Unsere Bevölkerung hat ein Recht auf eine saubere, vielfältige und lebensvolle Tanz- und Unterhaltungsmusik. Der Kampf gegen alle dekadenten Erscheinungen, insbesondere auf dem Gebiet der Tanz- und Unterhaltungsmusik ist mit aller Entschiedenheit zu führen.“

Gesagt getan: Jazzvorträge an der Universität Leipzig werden verboten. An der Universität Karl- Marx- Stadt stört die SED in Zusammenarbeit mit der FDJ Jazz- Vorlesungen und Veranstaltungen und droht den „konterrevolutionären“
Musikern sogar noch. Viele Jazzclubs werden geschlossen und große Teile des AMIGA Archivs, wie beispielsweise einige Rex Stewart- Einspielungen werden vernichtet.

In Walter Ulbrichts Augen wird allerdings nicht Musik, sondern die aus dem „amerikanischen Imperialismus“ entstandene „Affenkultur“ (Jazz) beseitigt.

1959 verlassen diesbezüglich Kurt Henkels, Bandleader Heinz Kretzschmar, Karl Walter, der Solist Rolf Kühn und AMIGA-Chef Constantin Metaxas die DDR. Sie alle werden folglich als Unpersonen gesehen und mit Vergessen gestraft.

In den 60er Jahren wird der bestehende kulturpolitische Kurs zwar noch verstärkt, jedoch scheint die Jazzszene schier unaufhaltsam dagegen anzukämpfen, was sie letzten Endes auch Erfolg haben lässt.

4. Die 60er- Der unaufhaltbare Jazz

Mit dem Mauerbau 1961 verschärft sich die Situation noch mehr. Der 1960 gegründete Konzertbund Gastspieldirektion (KGD) wird vom Ministerium Für Kultur darauf hingewiesen, die regelmäßigen Jazz- Veranstaltungen in Berlin einzustellen.
Trotzdem holt die KGD ab 1963/ 64 Jazzmusiker aus dem kapitalistischen (Mangelsdorff, Louis Armstrong (1965), Glenn Miller (1964), Ella Fitzgerald (1967)) aber auch aus dem sozialistischen (Krzysztof Komeda, Tomasz Stanko und Andrzej Kurylewicz) Ausland in die DDR, von denen einige sogar auf Tournee gehen.

In den 60er Jahren wird eine immer klarer werdende Tendenz zum freien Spielen deutlich. Die Musiker waren es leid, die Betonung immer nur auf standardmäßige Jazz- Rhytmen zu legen. Stattdessen wurde improvisiert, und neues wurde ausprobiert. Durch diesen neuen, freien Stil etabliert sich der Jazz in der DDR immer mehr.

Wie kann es aber sein, dass ausgerechnet in den 60er Jahren eine derart steigende Popularität des Jazz möglich ist? Ein Grund wäre wohl der Rock´n´Roll, welcher allmählich nach Deutschland kommt. Dieser neuartige, „freche“ Musikstil macht den DDR- Parteifunktionären deutlich, dass die meiste Jazzmusik, die gespielt wird, gar keine politischen Ambitionen hat, sondern rein musikalischer Natur ist.

Mit der Zeit, vergeht dem Publikum die Lust an aufwändigen, großen Tanzorchestern. Der Jazz wird fortan vorwiegend in Bars und Clubs, mit einer maximalen Besetzung von 6 Mann (oder Frau) gespielt, wie am Beispiel des „Manfred Ludwig- Sextetts“, des „Quintetts 61“, des „Werner Pfüller Quintetts“ oder des „Joachim Kühn Trios“ deutlich wird.

Als letzte große Tanzorchester behaupten sich nur die staatlich unterstützten Rundfunk-Orchester in Leipzig und Berlin sowie die Dresdner Tanzsinfoniker.

Mitte der 60er Jahre entstehen sehr viele wichtige Veranstaltungen, welche von dem neuen Jazz- Stil geprägt sind, wie die Konzertreihe von Karlheinz Drechsel, die von Funk und Fernsehen bis zum Ende der Konzertreihe 1968 regelmäßig gesendet wird.

Bis zum Ende der 60er Jahre werden über 160 Jazz- Veranstaltungen abgehalten, in denen Musiker aus der DDR, der BRD, Polens, Ungarns, der UdSSR, den USA und vielen anderen Ländern auftreten.
Stets dabei ist immer der Rundfunk der DDR, der viele Konzerte mitschneidet und in der ganzen Republik sendet.
Die letzte nennenswerte Veranstaltungsreihe dieses Jahrzehnts ist „Jazz im Frack“ von Hartmut Behrsing. Das besondere an dieser ist, dass versucht wurde, klassische Elemente mit Jazzelementen zusammenzufügen. Diesbezüglich wurden Musiker aus verschiedenen klassischen Berliner Orchestern und einzelne Jazzmusiker mit ins Bot geholt.

Literaturliste

Ekkehard Jost- Europas Jazz (1960- 80), S. 233- 270

Sebastian Münch- Vierzig Jahre Jazz in der DDR: Verfolgt, geduldet, gefördert (Studienarbeit)

Linkliste

geplante Arbeitsschritte

zu erledigen bis geplanter Arbeitsschritt
22.03.2009 2., 3., 4.

Christoper vom Ende

Jazz im Spannungsfeld der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR - In den 70er und 80er Jahren

Gliederung/Inhalt

Geschichtliche Einleitung

70er Jahre:

Entwicklung des Jazz

Die ersten Begegnungen der Musiker zum Beispiel im Friedrichstadtpalast beeinflussten den Musizierstil der in der DDR lebenden Jazzmusiker. In dieser Zeit wurde der so genannte Free Jazz als gültige Form zeitgenössischer Spielweise angenommen. Man versuchte in der kulturpolitischen Landschaft eine eigene Position zu erreichen.Diese neue, wild anmutende Free-Jazz-Musik musste auch hierzulande Erklärung finden und sich einen Platz erkämpfen.

Zitat zur Beschreibung von Freejazz, durch Ernst-Ludwig Petrowsky, der sich selbst den „Dienstältesten“ Jazzer der DDR nennt: „Unter freiem Spiel verstehe ich auch die Freiheit, sich der verschiedensten musikalischen Elemente zu bedienen, also nicht nur Freiheit von etwas, sondern auch Freiheit für etwas.“

In den 70ger Jahren fand eine Vermischung von Improvisationsmusik mit Themen der Volksmusik zustande. Der Jazz lehnte sich auch an den Tango und den Walzer, sowie Kampflieder und Hymnen an. Des weiteren fand eine Entwicklung des Rockjazz zurück zum Freejazz statt, man ging also von der E-Gitarre zurück zur Akustik Gitarre. Konrad Bauer sagte dazu, es sein ein „Umkippen der Szene“. Neben dem Freejazz gab es trotzdem noch weiterhin einen Mainstream Jazz, der teilweise auch von Rockelementen geprägt war.

In den Jazz wurde in den 70ger und 80ger Jahren immer mehr gestische, szenische und theatralische Elemente eingebaut. Jazz-Musiker traten immer mehr mit Malern, Tänzern, Pantomimen, Puppenspielern und anderen Künstlern auf. Die Musik der herkömmlichen Instrumente wurde nun auch durch diverse Mittel erweitert, zum Beispiel durch: Schläuche in die der Musiker blies, um rhythmische Blubbereffekte zu erzeugen oder Metallteile, die als Perkussionsinstrumente benutzt wurden, oder auch exotische Instrumente aus Indien oder Afrika, was alles in allem eine szenische Komponente hervorbrachte. Für Ulrich Gumpert z.B. war das Optische „ein wichtiges Mittel der Kommunikation“. In den 70ger Jahren gehörten zu seiner Musik vor allem auch komödiantische Aktionen, vor allem auch im Zusammenspiel mit Günter Sommer. „Durch entsprechende Aktionen kann Musik bestärkt oder persifliert werden. Ich sehe – zumindest gegenwärtig, wie lange diese Meinung anhalten wird, kann ich nicht sagen – in diesen Aspekten eine Bereicherung und auch tatsächlich einen Schritt in Richtung „Musiktheatralik“. Ich möchte diese Ansätze weiterentwickeln, möglichst in einer Weise, die die Wirkung der Musik unterstützt“. ( Günter Sommer )
Günter Sommer setzte jedoch mit seiner „Hörmusik“ einen Kontrapunkt. Bei der Hörmusik spielte er unsichtbar hinter einem weißem Vorhang, sodass sich das Publikum voll auf seine Musik konzentrieren sollte.

1976 gab es das erste öffentliche Konzert von A. R. Penck ( junger dresdner Maler ) mit Ulrich Gumpert sein erstes öffentliches Konzert, in dem sie das vorwegnahmen was zum Hauptbestandteil der 80ger Jahre wurde: Die Verschmelzung der Künste.
In den 70ger Jahren entwickelten sich außerdem zahlreiche Querverbindungen zwischen Jazz und Neuer Musik. Dabei ging es nicht so sehr um Synthese sondern eher um Berührungspunkte. Die Akzeptanz des Jazz durch Vertreter der Neuen Musik in den 70ger Jahren förderte auch seine Anerkennung durch die E-Musiker insgesamt.

Änderung der Einstellung der politischen Haltung gegenüber dem Jazz

Am 3. Mai 1971 kam es zur Ablösung von Walter Ulbricht durch Erich Honecker was zu einer Lockerung der allgemeinen als auch der Kulturpolitik führte. Im Dezember 1972 wurde der Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der BRD unterschrieben, in dem beide Seiten in Artikel 7 verpflichteten: „zum beiderseitigen Vorteil die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Wissenschaft und Technik, des Verkehrs, des Rechtsverkehrs, des Post- und Fernmeldewesens, des Gesundheitswesens, der Kultur, des Sports, des Umweltschutzes und auf anderen Gebieten zu entwickeln und zu fördern“. Das heißt das es jetzt zu einem offiziellen Kulturaustausch kam. Jedoch blieben deutsch-deutsche Begegnungen auf der Bühne weiterhin unerwünscht, dies wurde Umgangen, indem man mit Musikern aus Drittländern auftrat. Auftritte von West-Deutschen, West-Berliner und ausländischer Künstler, scheiterten oft schon am Namen, das Wort „Berlin“ im Namen war zum Beispiel verpönt. So nannten sich dann Bands für einzelne Auftritte um, zum Beispiel nannte sich das Berliner Art Ensemble für Auftritte in der DDR nur Art Ensemble. Durch die Ausbürgerung von Wolf Biermann kam es zunächst zu einer Unterbrechung der Öffnung, jedoch war sie mitlerweile nicht mehr zu stoppen.

Die Produktion von Schallplatten stieg von 1970-1979 um das 3-fache an. 1968 wurden noch 3 Millionen Schallplatten gepresst, 1980 waren es schon 20 Millionen Schallplatten. Nach der Gründung des Komitees für Unterhaltungskunst am 5. April 1973 wurde verstärkt Versucht, über den Arbeitskreis Jazz auch die Jazzmusik in die „Unterhaltungskunst“ sozialistische Prägung zu integrieren. Das Komitee stufte Künstler ein, stellte spezielle Berufsausweise aus, förderte Gruppen finanziell via Probengelder, unterstütze bei der Beschaffung von Anlagen und Instrumenten, entschied über Auftritte im „kapitalistischen Ausland“, besorgte Mentoren und manchmal auch Wohnungen, Telefone oder Autos. Am 2. Juni 1973 organisierten Peter „Jimi“ Metag und Ulli Blobel die erste Jazzwerkstatt, welches schon bald zu einem internationalem Podium für Improvisationsmusiker wurde. Des weiteren war es ein Pilgerort einer nicht angepassten Jugendkultur. Schnell reichten Kinos mit Platz für 350 Personen nicht mehr aus um die Nachfrage zu befriedigen, da vor jeder Jazzwerkstatt ca. 1000 Kartenwünsche aus der ganzen DDR eingingen. Zur 25. Jazzwerkstatt im Jahre 1979 kamen sogar 2500 Besucher. Zu einem 9 stündigen Jazzmarathon ein Jahr darauf, kamen sogar 4000 Besucher bei 5000 Einwohnern. Im Jahre 1982 wurde schließlich die Jazzwerkstatt verboten. 1973 fand die Gründung des ersten Jazzclubs zustande, der schon nach kurzer Zeit 500 Mitglieder hatte. Drei Jahre später organisierte dieser Club die 1. Leipziger Jazztage ohne staatliche Finanzmittel. Der Staat förderte erst denn 5. Festival mit Geldern.

Die Amateur- Jazzmusiker arbeiteten in anderen musikalischen Genres oder in vollkommen Musik fremden Berufen, was dazu führte das sie nicht kontinuierlich Proben konnten oder auf längere Tourneen gehen konnte. Konzerte ähnelten damals Einzelauftritten. Immer mehr Musiker wagten den risikohaltigen Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. Diese Selbstständigkeit forderte jedoch zwei Bedingungen: ein funktionierendes Management, sowie Auftrittsmöglichkeiten.

Es kam zu immer regelmäßiger stattfindenden Jazzkonzerten, was zu mehr Auftritten für Amateurgruppen , sowie zu einer Herausbildung von einem kritischerem qualitätsbewussterem Publikum führte. Daher stieg die künstlerische Forderung an die Musiker. Es gab trotzdem noch keine ständigen Jazzclubs.

„In Berlin gibt es zwar viele gute Jazzmusiker und noch mehr begeisterte Anhänger dieser Musik, aber keinen Ort, wo sie recht zu Hause sind. Ein Ort, an dem Amateure und Berufsmusiker teils im festen Engagement, teils nur aus Freude am Miteinanderspielen sich treffen können. Mit anderen Worten, es fehlt ein echtes Jazzlokal, dessen Programm vom Schallplattenabend bis zum Jazzband-Ball reichen sollte“ (Hans-Georg Pape)

Der Amtsantritt von Erich Honecker leitete eine zunehmende Internationalisierung der Jazzszene der DDR ein. Nun war es möglich das Musikfestivals und Open Airs statt finden konnten und Freejazzer in den Westen fahren konnten, aus dem sie mit neuen Erfahrungen zurück kamen.

Weiterhin ist zu beachten, dass moderne Spielweisen des Jazz im Westen nicht in das manipulierte Show-Business integriert waren, sondern sich auch dort als Alternativen zur Kommerzialisierung der Musik, als Teil einer „zweiten Kultur“ bzw. einer Subkultur, verstanden.

Immer mehr Musiker aus dem Ausland kamen in die DDR, um dort mit ihren eigenen Formationen, jedoch auch um mit den Musikern der DDR, zusammen zu spielen. Das sogenannte „Jazzland DDR“ wurde für Musiker aus aller Welt zu einer begehrten Adresse. Musiker, die z.B. gerade in Westberlin waren, kamen mit einem Tagesvisa in die DDR um dort zu spielen. Die Free Musik Production (FMP) veröffentlichte die ersten Aufnahmen von Musikern aus der DDR.

Zu den vielen verschiedenen Einflüssen, durch die Ausländischen Musiker in der DDR sagte Bert Noglik: „Ich gebe zu, dass die vielen Einflüsse auch etwas verwirrendes hatten und dass durchaus die Gefahr bestand, wiederum Fertiges zu übernehmen. Ich hatte beispielsweise mit der Spielweise von Han Bennink auf ähnliche Weise zu tun, wie mit der von Art Blackey. Rückblickend würde ich sagen: Die Ermutigung, den eigenen Weg zu gehen, war größer als die Verlockung zur Imitation.“

Ein Problem im zunehmenden Reiseverkehr war die Währung der DDR. Die
Musiker und deren Veranstalter erhielten fast ausnahmslos Mark der DDR. Daher hatten sie öfters Probleme ihr Geld auszugeben, woraufhin Joachim Maaß in seiner Wohnung einen Schrank hatte, in dem er für die West-Musiker, die bei „Jazz in der Kammer“ auftraten, ganze Bündel DDR-Geld in Briefumschlägen bis zum nächsten Besuch aufbewahrte. Es kam dann dazu, dass Jazz-Musiker aus dem westlichen Ausland in der DDR im Rahmen von „Kompensationsgeschäften“ auftraten. Das heißt als Gegenleistung für Konzerte durften die Künstler Plattenaufnahmen in der DDR machen.

Ein weiteres Zeichen der Öffnung, waren auch die 10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten im August 1973 in Berlin. Unter den vielen Kulturveranstaltungen, an denen bis zu 150 000 Besucher teilnahmen, waren unter anderem auch ein paar Jazzkonzerte. Jedoch war das eigentliche Ziel der Weltfestspiele, der DDR Bevölkerung und dem Westen eine Weltoffenheit zu demonstrieren, die jedoch immer noch im Gegensatz zur noch gültigen Abgrenzungspolitik stand.
1977 fand der erste Internationale Jazz Workshopp in Berlin statt, welcher in der Folgezeit zu einem wichtigem Podium für die Begegnung zwischen Musikern aus der DDR und dem Ausland wurde.

Im August 1979 veranstaltete die FMP in Westberlin mehrere Konzerte unter dem Motto „Jazz Now- Jazz aus der DDR“. 2 Jahre darauf erschien dann eine Doppel-LP mit Mitschnitten der Konzerte.

Auch Fans des Traditionellen Jazz fanden in den siebziger Jahren ihren Treffpunkt. Beim 1. Dixieland-Festival 1971 in Dresden war der Kulturpalast noch nicht einmal für ein Konzert ausverkauft, jedoch bald wurde das Festival zu einem Volksfest für die ganze Stadt und zunehmend auch für ein internationales Publikum, sodass das 10. Festival 1980 schon 80 000 Besucher hatte. In den folge Jahren kampierten die Fans schon Tage vorher vor den Vorverkaufskassen.

Die Internationalisierung hatte jedoch weiterhin Grenzen, zum Beispiel durfte kein Jazzfan zu einem Konzert in den Westen reisen, wohin gegen die Jazzfestivals in Warschau und Prag und Konzerte in Bratislava oder Budapest einen qualitativen und hochwertigen Ersatz boten.

Der DDR- Rundfunk sendete immer mehr Jazz in den 70ger Jahren. Radio DDR 2 hatte zum Beispiel wöchentlich eine halbe Stunde Jazz im Programm, ab 1979 waren es dann schon 85 Minuten. Mit der Zeit haben sich dann auch ständige Jazzsendungen etabliert, zum Beispiel bei Radio DDR 2: Blues – Jazz – Rock / Modern Jazz.

Es kam auch zu immer mehr sporadischen Jazzsendungen, wie mehrstündige Live-Übertragungen von der Jazzbühne Berlin und dem Dixielandfestival in Dresden, die vom Rundfunk produziert wurden, sowie auch DDR- Gastspiele von Orchestern und Solisten im Ausland. Jedoch wurde der Jazz erst am späten Abend gesendet, sodass Jugendlichen der Zugang zu dieser Musik erschwert wurde. Der Rundfunk trat auch immer mehr als Produzent auf. Der Rundfunk allein schnitt allein 1978 acht Konzerte der Reihe „Jazz in der Kammer“, zwei Konzerte im Palast der Republik und die Auftritte des Thad Jones- Mel Lewis Orchestra mit. Das Fernsehen strahlte 1978 immerhin 26 Jazzsendungen mit insgesamt 850 Sendeminuten aus, darunter waren auch Mitschnitte vom Dixielandfestival, von der Jazzbühne und Sendungen, die im Rahmen des internationalen Programmaustauschs von Fernsehstationen des Auslands übernommen wurden.

80er:
Austausch zwischen West- und Ost- Jazzmusikern

Entwicklung des Jazzs (Improvisationsmusik)

Literaturliste

Freie Töne - Die Jazzszene in der DDR (Rainer Bratfisch (Hg.));

Jazz-DDR-Fakten (Werner Josh Sellhorn)

Linkliste

geplante Arbeitsschritte

zu erledigen bis geplanter Arbeitsschritt
15.03. 80ger Jahre
22.03. Informationen kürzen
26.03. Power Point Präsi.
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